Pressebericht in der LKZ vom 19.11.21

Mit seinen Herbstkonzerten meldet sich das Strohgäu-Sinfonieorchester zurück

Soeben hat Jasper Lecon den Taktstock zum Auftakt des "Peds en l'air", dem schwebenden fünften Satz aus Peter Warlocks "Capriol Suite" erhoben, da meldet der Signalton eines Mobiltelefons den Eingang einer Nachricht - bereits zum dritten Mal in dieser Probe.

Die ist nicht irgendeine, sondern eine Generalprobe zum traditionellen, dreimal verschobenen Herbstkonzert, das nun - endlich, endlich! - an den kommenden beiden Wochenenden in Schwieberdingen, Möglingen und Hemmingen stattfinden soll. Daher kann Lecon jetzt auch nicht mehr darüber hinweggehen: "Ich dreh mich um, und danach ist das Handy aus", bietet er dem Register der tiefen, aber nicht ganz tiefen Streicher an und schmunzelt.

Vor ziemlich genau zwei Jahren hat sich Jasper Lecon als neuer Dirigent des Strohgäu- Sinfonieorchesters (SSO) mit einem Herbstkonzert vorgestellt, das die komplette Bandbreite der romantischen Musik beleuchtete und eindrucksvoll unterstrich, auf welch hoem Niveau das "Liebhaber-Sinfonieorchester", so die Selbstbeschreibung auf der Homepage, zu musizieren in der Lage ist. Anstelle derr Frühjahrskonzerte zum 70-jährigen Bestehen des SSO kam 2020 die Pandemie, statt einer Jubiläumssaison folgten Lockdowns und Absagen. "Wir freuen uns, in großer Besetzung wieder spielen zu können", sagt Lecon am Rand der Probe im Schwieberdinger Bürgerhaus. Sieht man in die Gesichter im Saal, darf unterstellt werden, dass sein Statement in der Tat stellvertretend für die Musikerinnen und Musiker ist: Freudestrahlend folgen sie seinen Zeichen, für die er sich gern etwas übertrieben in Pose wirft, oft mit einer gut dosierten Portion Selbstironie eine Tendenz zum Überspielen einfordernd. Lecon arbeitet durchaus intensiv mit dem SSO, verlangt den Musikern in Sachen differenzierter Gestaltung einiges ab.

Das vergangene Wochenende hat das SSO genutzt, um im Kurhotel in Bad Wimpfen das einstudierte Programm zu festigen. Wie sehr sich die Arbeit am Feinschliff lohnt, dokumentiert der erfreuliche Probenstand: Spürbar direkt überträgt sich der frische Schwung und vitale Elan Lecons auf das Ensemble der Strohgäu-Sinfoniker. Die Warlock-Suite, an der auch Schülerinnen und Schüler der Musikschulen Schweiberdingen, Markgröningen und Vaihingen/Enz mitwirken, macht schon mal enorm Laune. Und ist nur eine Farbe im "bunten Strauß" (Lecon) dieses Herbstkonzerts, das mit nahezu ausnahmslos durch Tänze inspirierten Werken von Rameau, Saint-Saens, Dvorák, Fauré, Elgar, Mascagni und de Falla einen musikalischen Bogen vom Barock bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts spannt.

Statt wie sonst ein halbes Jahr mussten wenige Monate für die Proben ausreichen - mit einem Ergebnis, das sich hören lassen kann. Das weiß auch Lecon: "Ich bin sehr stolz auf meine Leute, was in dieser kurzen Zeit an Klang, an Zusammenspiel, an musikalischer Freude und Gestaltungswillen wieder da war."

Ludwigsburger Kreiszeitung, Artikel vom 19. November 2021, Autor: Harry Schmidt.