Konzertkritik der LKZ vom 20.11.18

Die Dirigentin mit dem Laserschwert

Das Strohgäu-Sinfonieorchester präsentiert Stücke aus bekannten Filmmusiken

Schwieberdingen. Beim traditionellen Herbstkonzert des Strohgäuer Sinfonieorchesters blieben vielen Plätze in der Festhalle frei. Dabei hatten sich die engagierten Musiker gemeinsam mit ihrer Dirigentin Se-Mi Hwang solch ein mitreißendes Programm ausgedacht. "Wir wollten junge Leute ansprechen", erklärt die l. Vorsitzende Marion Moll. Deshalb stand das Konzert unter dem Titel "Filmmusik und mehr". Das "mehr" deutete zusätzlich auf ein besonderes Werk hin: Die Uraufführung von "Schwäbisch ... Sym-phonische Impressionen" des 1939 in Stuttgart geborenen Komponisten Siegmund Schmidt. Er hat versucht, musikalisch den schwäbischen Charakter einzufangen. Ob er doch selber unzufrieden war mit dem Ergebnis oder es tatsächlich gesundheitliche Gründe waren - kurios: Ganz kurzfristig und für das Orchester völlig überraschend zog er die Uraufführung zurück.

 

Stattdessen erklangen im Konzert dann zwei weitere beliebte Filmmusikstücke, der "Raiders March" aus "Indiana Jones" sowie "Fluch der Karibik" mit diesem populären, emotionsgeladenen Hauptthema von "He's a Pirate". "Ein sehr sportliches Stück", wie Dirigenin Se-Mi Hwang bemerkte, denn es verlangte den lnstrumentengruppen des Strohgäuer Sinfonieorchesters einiges an Tempo und rhythmischen Herausforderungen ab. Klaus Badelt ist auf dem Programmzettel angegeben als Komponist. Dahinter verbirgt sich aber auch sein Mentor Hans Zimmer und dessen Firma Media Ventures, denn der Soundtrack entstand als Zusammenarbeit. So gelang es dem Team, ein zeitloses, sehr beliebtes Werk zu schaffen, das seine Wirkung auch beim Schwieberdinger Publikum nicht verfehlte. Das lag natürlich auch am fantastisch spielenden Strohgäuer Sinfonieorchester. Bereits 1950 wurde das Liebhaber-Orchester gegründet und darin spielen Menschen von jung bis alt und aus unterschiedlichen Berufsgruppen. Sie alle verbindet ihre Leidenschaft für die Musik - klassische sowohl wie moderne. Immer im Frühjahr und Herbst gibt es ein Konzert, das in verschiedenen Gemeinden des Landkreises präsentiert wird. Seit 2016 dirigiert die junge Se-Mi Hwang die engagierten Laienmusiker.

Rhythmus, das ist für sie das A und 0 und sie lobt ihre Instrumentalisten, dass sie immer besser werden. Das konnte man auch im Konzert hören, hier und da gab es mal kleine Unreinheiten, aber es ist doch erstaunlich, über welch komplexe Klänge, vom wunderschön piano-geführten Legato bis zum klanggewaltigen Tutti, das Orchester verfügt. Fulminant-kraftvoll gleich die ersten Takte zu Konzertbeginn, wo drei Stücke aus der "Ben Hur"-Suite erklangen. Auch das "Main Theme" aus "Superman", ebenso wie die allseits bekannte "Star Wars Suite", das "Love Theme" aus dem Paten und die "James Bond" -Suite spielten die Musiker mit großem Engagement und Können. 

Dazu kam das ruhige, sehr akzentuierte und damit für das Orchester äußerst hilfreiche Dirigat von Se-Mi Hwang, der der Spaß an der Filmmusik während des Konzerts auch deutlich anzusehen war. Eine nette kleine Episode war auch der Auftritt des neunjährigen Simon, der der Dirigentin stilecht im Darth-Vader-Kostüm ein Lichtschwert für ihr Dirigat der "Star Wars"-Suite übergab. Allerdings erwies sich das lange rote Plastikteil dann wohl doch als etwas zu sperrig, denn Se-Mi Hwang griff nach wenigen Takten wieder zu ihrem dezenten Dirigentenstab.

Von Helga Spannhake, Ludwigsburger Kreiszeitung vom 20. November 2018, Foto: Andreas Essig