Konzertkritik vom 18. Mai 2012

hemmingen aktuell 180512 wesner kl

Musikalische Europa-Reise in sinfonischer Klangpracht

Strohgäu-Sinfonieorchester gab zum Muttertag farbenreiches Konzert. Auf eine musikalische Reise quer durch Europa nahm das Strohgäu-Sinfonieorchester Schwieberdingen die zahlreichen Besucher des Konzerts in der Hemminger Gemeindehalle am Sonntagnachmittag mit.

Auch in diesem Jahr musizierte das Orchester unter der Leitung von Frédéric Tschumi am Muttertag auf Einladung der Gemeindeverwaltung Hemmingen. Als Solist wirkte der aus Mexiko stammende, in Stuttgart lebende Gitarrist Israel Vazquez mit.

Tänzerisch beschwingt begann die Europa-Rundreise nach Noten mit drei Ungarischen Tänzen von Johannes Brahms. Temperamentvoll führte das Strohgäu-Sinfonieorchester den Tanz Nummer eins aus. Den dritten Tanz aus einem 21 Ungarische Tänze umfassenden Zyklus, der zwischen 1858 und 1869 nach Liedmotiven aus dem Puszta-Land entstand, gestalteten die Musikerinnen und Musiker anfangs sanft und geradezu gemächlich, um aber im Mittelteil mit sprühendem Temperament darzubieten und genau so vital im Ausdruck und im Tempo erklang auch der fünfte Tanz.

Fortgesetzt wurde das Programm mit einem Sprung über die Pyrenäen nach Spanien. Das sehr populäre "Concierto de Aranjuez" für Gitarre und Orchester von Joaquín Rodrigo Vidre aus dem Jahr 1939 erlebte mit dem vom ersten Takt mit seiner Virtuosität beeindruckenden Gitarrenkünstler Israel Vazquez eine überaus feinstimmige Aufführung, in der das spanische Klangkolorit farbenreich hervortrat. Sowohl in der Orchesterbegleitung als auch und vor allem in der nuancenreichen Interpretation des umfangreichen Soloparts durch Israel Vazquez, den dieser mit Sensibilität, aber auch mit von Energie durchdrungener Gestaltungskraft ausführte, war dies unüberhörbar. Besonders der zweite Satz der Komposition, dessen Melodie auch mit versonnenen Texten unterlegt als Chanson einen hohen Bekanntheitsgrad erreichte, erklang träumerisch und voller Wehmut.

Hier wie auch in den übrigen bei den Sätzen der Komposition erwies sich das Zusammenspiel zwischen Solist und dem in hell leuchtender Klangfülle begleitenden Orchester, insbesondere bei den präzisen Einsätzen der nur kurz aufflackernden Motive der Holzbläser, als ein facettenreicher Dialog. Für den freudigen Applaus bedankte sich der Solist noch mit einer melodiösen Zugabe. Die Provence war das nächste Ziel der Musikreise des Strohgäu-Sinfonieorchesters unter der temperamentvollen Leitung von Frédéric Tschumi. Von Georges Bizet stand die " L'Arlesienne-Suite" Nummer eins auf dem Programm. Machtvoll erklang die im strikten Marsch-Rhythmus gespielte Ouvertüre, die im lebhaften Kontrast zum nachfolgenden zweiteiligen Menuett-Satz stand, den das Orchester schwärmerisch einleitete, dann aber im Ausdruck zu großer sinfonischer Pracht steigerte.

Überaus zart und weltentrückt dargeboten wurde der sehnsuchtsvoll melodische dritte Satz zu einem tief berührenden Hörerlebnis. Im Schlusssatz ließ Frédéric Tschumi einmal mehr der mitreißenden Musizierfreude des Orchesters beinahe uneingeschränkten freien Lauf, so dass sich ein rauschhaftes Finale entwickeln konnte.

Nach Finnland gelangte das Strohgäu- Sinfonieorchester mit der opulenten Aufführung der Komposition "Finlandia" von Jean Sibelius. Dieses im Jahr 1899 entstandene Werk drückt die Freiheitsliebe des von russischer Herrschaft damals unterdrückten finnischen Volkes aus. In der expressiv und emotional gestalteten Aufführung durch das StrohgäuSinfonieorchester, in der insbesondere die Bläser mit großer Klangpracht glänzen konnten, kam diese Empfindung höchst beeindruckend zum Ausdruck.

Erst nach zwei Zugaben mit Werken des englischen Komponisten Edvard Elgar, dem berühmten Marsch "Pomp and Circumstances" und dem elegischen Satz "Nimrod", entließen die begeisterten Konzerbesueher die Musikerinnen und Musiker vom Podium.

Rudolf Wesner

Hemmingen Aktuell, Konzertkritik vom 18. Mai 2012