Konzertkritik VKZ vom 28.10.2010

VKZ 28 10 2010 sinfoniekonzert klKonzertkritik des Nussdorfer Sinfoniekonzertes vom 24. Oktober 2010

Kontrastreich und mitreißend

Strohgäu-Sinfonieorchester musizierte glanzvoll in der Nussdorfer Gemeindehalle mit Werken von Beethoven und Gershwin.

Ein Konzert mit einem Sinfonieorchester gab es in der Gemeinde Eberdingen bisher noch nie. Der dort tätige Kulturverein Eberdingen-Hochdorf-Nussdorf e.V. griff tief in die Vereinskasse, um mit der Verpflichtung des Strohgäu-Sinfonieorchesters einen hochrangigen und qualitätsreiches Kulturgenuss am Sonntag in der Gemeindehalle Nussdorfzu bieten.

NUSSDORF (wes). Unter der Leitung des jungen Schweizer Dirigenten Frederic Tschumi führte das sowohl mit Berufs- als auch mit Freizeilmusikern sinfonisch besetzte Orchester Werke von Ludwig van Beethoven und George Gershwin auf. Als Solist wirkte Tobias Jost am Flügel mit. Das war eigentlich ein recht kontrastreiches Sinfoniekonzert Nussdorf. Feierlich leitete das Strohgäu-Sinfonieorchester das Konzert mit der Egmont-Ouvertüre von Ludwig van Beethoven ein. Das von Frederic Tschumi gewählte etwas breiter angelegte Tempo verdichtete den Eindruck von Dramatik, die in dem gleichnamigen Trauerspiel von Johann Wolfgang von Goethe den Handlungsablauf bestimmt und damit konnte auch die Erhabenheit und die sinfonische Ausdruckskraft der vor genau 200 Jahren entstandenen Komposition hervortreten. Die Musikerinnen und Musiker gestalten das Werk in glanzvoller Klangpracht.

Der Vorsitzende des Kulturvereins Eberdingen-Hochdorf-Nussdorf, Wolfgang Bossert, hatte sich für das Konzert in der Nussdorfer Gemeindehalle die Aufführung eines populären Werks aus dem 20. Jahrhundert gewünscht. Von George Gershwin erklang deshalb die "Rhapsodie in Blue", die im Jahr 1924 in New York mit riesigem Erfolg uraufgeführt wurde. Der Komponist führte dabei selbst den Solopart am Klavier aus. In Eberdingen-Nussdorf übernahm diese Aufgabe der Pianist Tobias Jost. Jazzig beschwingt vom Strohgäu-Sinfonieorchester unter der Leitung von Frédéric Tschumi gestaltete er das Werk mit seinen nervös drängenden, knappen, vom Jazz rhythmisch deutlich inspirierten Motiven vital und mit federleichtem Anschlag. Die differenzierten Stimmungen der Rhapsodie loteten Jost und das Orchester nuancenreich und pointiert aus, wobei auch der Farbenreichtum des Stücks überaus opulent ausgebreitet wurde. Tobias Jost spielte danach von Frédéric Chopin ein Scherzo in b-Moll, Opus 31. Zunächst ließ der Pianist die fahle, düstere Atmosphäre des Werks nachdrücklich hervortreten, wandelte dann aber den Ausdruck, um die heitere, einer Walzerfantasie gleichende Passage im zweiten Teil der Komposition bewegt und in forciertem Tempo zu interpretieren. Mit einer rasanten, das höchste Maß an Virtuosität verlangenden Zugabe verabschiedete sich Tobias Jost von den Konzertbesuchern unter lebhaftem Beifall.

Als eine ungeheure Herausforderung für ein zum Teil mit Laienmusikern besetztes Orchester kann die Aufführung der fünften Sinfonie, genannt die "Schicksalssinfonie" von Ludwig van Beethoven gewertet werden. Frédéric Tschumi gelang es jedoch, seine Musikerinnen und Musiker bewundernswert mitzureißen und zu motivieren. Schon die ersten Takte des so genannten Schicksalsmotivs im ersten Satz ließen erkennen, dass hier eine überaus solide, in allen Registern ausgewogene Wiedergabe des anspruchsvollen Werks geboten wird. In beachtlich straffem Tempo erklang der Satz. Sehr feingliedrig in gedämpftem Marschrhythmus ausgeführt interpretierte das Orchester das Andante und breitete auch die immer wieder ausbrechenden Kontraste leuchtend aus. In den beiden weiteren Sätzen fielen eins ums andere Mal die delikaten Wiedergabe der poesievollen Passagen auf, aus denen sich zum Finale jubelnde Klangkaskaden erhoben, in denen das Strohgäu-Sinfonieorchester mitreißend sinfonische Dichte entfaltete und damit die Aufführung von Beethovens Fünfter endgültig zu einem brillanten, beeindruckenden Hörerlebnis werden ließen.

Als Zugabe spielte das Orchester einige Takte aus dem berühmten Marsch "Pomp and Circumstances", der heimlichen Nationalhymne Britanniens, von Edvard Elgar.

Quelle: Artikel Vaihinger Kreiszeitung vom 28. Oktober 2010