2010

Vollständig zerstörter Probenraum und Notenarchiv Stehprobe in der Turn- und Festhalle

Ingrid Nonnenmann, die seit 1971 im Strohgäu-Orchester als Geigerin mitspielte, hat zusammen mit ihrem Mann, Manfred Nonnenmann, ihre aktive Mitgliedschaft im Jahr 2009 beendet. Während dieser ganzen Jahre war sie als Chronistin für unser Orchester tätig; zunächst für die Jubiläumsschriften und dann für die Chronik im Internet. Für diese jahrelange, ansprechende und akkurate Arbeit bedanken wir uns sehr herzlich.

Als Chronistin wird ab jetzt Ursula Roßberg fungieren; sie spielt seit 1982 als Geigerin im Orchester, gehört also zu den „alten Hasen“, die einen großen Teil der Orchestergeschichte selbst miterlebt haben.

Der 4. Juli 2010 – ein Sonntag – wird als unvergesslicher Tag in die Geschichte des Orchesters eingehen: es ist der Tag, da Schwieberdingen von einer Überschwemmung gewaltigen Ausmaßes heimgesucht wurde. Die Tageszeitungen und sogar das Fernsehen berichteten darüber. Das ganze Ortszentrum war überschwemmt, viele Häuser standen unter Wasser, auch das Bürgerhaus war stark betroffen. Das Untergeschoss des Bürgerhauses stand völlig unter Wasser; hier befanden sich der Probenraum und das Nebenzimmer, in dem das gesamte Orchestermaterial und das komplette Archiv aufbewahrt wurden. Das ganze Inventar war nicht mehr zu gebrauchen und das Orchester stand vor dem Nichts. Aber schon bald darauf erfuhren wir von allen Seiten Hilfe. Viele Unternehmen, Banken und zahlreiche Freunde des Orchesters unterstützten uns mit finanziellen Zuwendungen, und unsere Proben konnten wir im Musiksaal der Realschule abhalten.

Am 20. März 2011 bedankten wir uns mit einem Sonderkonzert – gemeinsam mit dem Musikverein, der ebenfalls durch die Überschwemmung sein gesamtes Inventar verloren hatte – bei allen Spendern für die finanzielle Unterstützung. Der Eintritt war frei und das Konzert sehr gut besucht. Den ersten Teil des Abends bestritt der Musikverein mit Stücken von Frank Erickson, Pavel Stanek, Ferrer Ferran und Steven Reineke. Die Leitung hatte Thomas Conrad. Nach der Pause spielte das Strohgäu-Sinfonieorchester.

Als erstes Stück spielten wir die Ouvertüre zu „Der Barbier von Sevilla“ von Rossini, dann folgte der „Kaiser-Walzer“ von J. Strauß, und „Pomp and Circonstance“ von Elgar. Die Zugabe „Don’t cry for me Argentina“ spielten beide Orchester gemeinsam. Das Konzert hatte einen großartigen Erfolg. Die Zuhörer waren begeistert, insbesondere von der gemeinsam gespielten Zugabe. Von allen Seiten wurde der Wunsch laut nach einem weiteren Konzert der beiden Orchester.

Im Jahr 2010 konnten wir das 60-jährige Bestehen unseres Orchesters feiern. Die Frühjahrskonzerte fanden statt am 8. Mai in Schwieberdingen und am 9. Mai in Hemmingen. Unser Dirigent Frédéric Tschumi hatte wieder ein besonders schönes und ansprechendes Programm zusammengestellt:

  • Giuseppe Verdi „Ouvertüre zu „Nabucco“
  • George Gershwin “Rhapsodie in Blue”
  • Peter I.Tschaikowsky “Blumenwalzer aus dem “Nussknacker”
  • Bedrich Smetana „Die Moldau“

Der Solist der „Rhapsody in Blue“ war Tobias Jost. Er spielte dieses rhythmisch und technisch anspruchsvolle Werk meisterhaft und souverän und erhielt viel Beifall vom Publikum. Um unser 60-jähriges Jubiläum gebührend zu begehen, folgten wir im Mai einer Einladung des Chorale Arioso von Caen in der Normandie.

 

CAEN-Reise des Strohgäu-Sinfonieorchesters vom 13. – 16. Mai 2010

Chorkonzert in Caen

Bereits zum vierten Male reiste unser Orchester auf Einladung des französischen Chores Chorale Arioso nach Caen in die Normandie. Es war eine gute Gelegenheit, um mit diesem befreundeten Chor unser 60-jähriges Bestehen zu feiern.

Die Kontakte zwischen Chor und Orchester bestehen seit 1996, und durch die gegenseitigen Besuche haben sich im Laufe der Zeit schon echte Freundschaften entwickelt.

Am Donnerstag, 13. Mai, hieß es früh aufstehen: um 5:30 Uhr fuhr der Bus in Schwieberdingen ab. Nach einer problemlosen Fahrt waren wir gegen 18:00 Uhr in Caen, wo wir von den französischen Freunden bereits erwartet wurden. Sehr herzlich war die Begrüßung, vor allem dann, wenn sich „alte“ Freunde wieder sahen. Den Abend verbrachten wir dann bei unseren Gastfamilien. Am nächsten Tag fuhren wir zum „8. Weltwunder“ – wie man in Frankreich den Mont Saint-Michel nennt. Dieser attraktive Klosterberg – auf einem gewaltigen Fels im Meer vor der normannischen Küste im 9. Jahrhundert erbaut – verdient mit Recht diesen Ehrentitel.

Nach diesem interessanten Ausflug fanden wir uns abends in Caen zu einer ersten Probe mit den Chorsängern ein. Sowohl der Chor als auch unser Orchester hatten bereits im Vorfeld intensiv geübt, und so klappte die erste gemeinsame Probe zur vollen Zufriedenheit unseres Dirigenten Frédéric und der Chorleiterin Nicole Le Cacheux.

Der nächste Morgen stand zur freien Verfügung: einige machten mit ihren Gastfamilien eine Stadtbesichtigung, andere fuhren ans nahe gelegene Meer. Die Stadt und die Normandie zeigten sich bei herrlichem Wetter von ihrer schönsten Seite.

Am Nachmittag fanden dann intensive Proben statt. Der Chor Arioso wurde verstärkt von dem Vokal-Ensemble „Renaissance“ aus Le Havre. Das abendliche Konzert in der Kirche St. André war sehr gut besucht, die anschließenden Kritiken waren überwältigend gut. Nach dem Konzert feierten wir dann bis tief in die Nacht. Unsere Freunde hatten – wie jedes Mal – ein herrliches Buffet vorbereitet mit französischen Spezialitäten, und unser Beitrag dazu bestand aus einem Fass Bier, das unser Trompeter Tobias Becher besorgt hatte und das die Franzosen sehr schätzten. Es war ein sehr netter Abend mit guter Stimmung, der durch viele unterhaltsame Beiträge bereichert wurde, unter anderem auch durch musikalische Beiträge der Chorsänger und der Bläsergruppe unseres Orchesters.

Am nächsten Morgen fiel uns der Abschied zwar schwer, aber wir werden unsere Freundschaft garantiert aufrecht halten und in nicht allzu ferner Zukunft uns wieder zu einem gemeinsamen Konzert treffen. Inzwischen werden viele freundschaftliche Kontakte auf privater Ebene weitergeführt.

Leider gibt es auch weniger Schönes aus dem Orchesterleben zu berichten. Am 24. Januar 2009 starb Stefan Brenner im Alter von 80 Jahren. Etwa seit 1964 war er als Geiger Mitglied im Strohgäu-Sinfonieorchester und war lange Jahre Zweiter Konzertmeister. Das Orchester hat ihm viel zu verdanken. Seine Persönlichkeit, sein Engagement und nicht zuletzt seine herausragenden Qualitäten als Geiger werden uns immer in Erinnerung bleiben.

Auch von Lilo Benda, die seit vielen Jahren als Fagottspielerin zu uns gehörte, mussten wir uns verabschieden. Sie starb am 10. August 2010 nach kurzer, schwerer Krankheit. Noch im Mai hatte sie bei guter Gesundheit die Frühjahrskonzerte mitgespielt und auch an der Caen-Reise teilgenommen. Umso überraschender war dann die Nachricht von ihrem Tod.

Überraschend für uns alle war auch der Tod von Fritz Trojan. Er starb im Alter von 67 Jahren. Zwar war er noch nicht sehr lange als Geiger Mitglied im Orchester, aber er hatte sich durch seine freundliche, ruhige Art sehr schnell integriert und große Sympathien erworben.

Alle drei Mitspieler hinterlassen eine große Lücke in unserem Orchester – nicht nur als Mitspieler schätzten wir sie, sondern vor allem auch wegen ihrer Persönlichkeiten. Wir werden sie nicht vergessen und ihnen ein ehrendes Andenken bewahren.

Maria Swacek ist - in doppeltem Sinne - unsere älteste Spielerin. Seit 60 Jahren spielt sie Geige im Strohgäu-Sinfonieorchester und hat fast bei jedem Konzert mitgespielt. Mit nunmehr 82 Jahren beteiligt sie sich unermüdlich und zuverlässig an allen Proben und Aktivitäten. Frédéric Tschumi dankte ihr während des Konzerts vom 7. Mai 2011 für ihre Treue und Zuverlässigkeit und überreichte ihr ein Geschenk. Wir wünschen unserer Maria noch viele gesunde Jahre und hoffen, dass sie noch lange Zeit bei uns mitspielen kann!

Zu einem Konzert außer der Reihe lud uns der Kulturverein Eberdingen Hochdorf Nussdorf e.V. ein. Wir hatten die Ehre, das erste Sinfonie-Konzert des Vereins zu spielen. Dieser Einladung kamen wir sehr gerne nach. Das Konzert fand am 24. Oktober 2010 in der Gemeindehalle von Nussdorf statt, in der wir bereits am 25. Mai 1991 zur Eröffnung des Keltenmuseums gespielt hatten.

Auf dem Programm standen folgende Werke:

  • Beethoven, Ouvertüre zu „Egmont“
  • George Gershwin, “Rhapsody in Blue“. Solist war der Pianist Tobias Jost.
  • Frédéric Chopin, Scherzo in b-moll op. 31
  • Beethoven, 5. Sinfonie (op. 67)
  • Als Zugabe spielten wir “Pomp and Circumstance” von Edward Elgar.

Das Konzert war sehr gut besucht und war ein voller Erfolg. Die Presse (LKZ) schrieb unter dem Titel "Nussdorf erlebt erstmals ein Sinfonieorchester" in Bezug auf Beethovens 5. Sinfonie: "Riesige Herausforderung gemeistert. Tschumi gelang es, seine Musiker bewundernswert mitzureißen und zu motivieren…."

Eine besonders schöne Probenphase hatten wir vom 5. bis 7. November 2010 in Bad Wimpfen. Wie bereits im Jahr zuvor trafen wir am Freitagabend im Hotel "Am Rosengarten" ein. Wir hatten intensive Proben, aber auch viel Zeit zu Geselligkeiten. Es war in jeder Beziehung ein erfolgreiches Wochenende, denn auch unser Dirigent Frédéric war am Ende recht zufrieden mit unseren Leistungen.

Schon drei Wochen nach dem erfolgreichen Konzert in Nussdorf (24. Oktober 2010) spielte das Orchester seine Herbstkonzerte: in Möglingen (14. November 2010), in Schwieberdingen (20. November 2010) und in Hemmingen (21. November 2010).

Diese konzentrierte Konzertreihe hätte umfangreiche Proben erfordert, wenn wir nicht einen Teil des Nussdorfer Programms wiederholt hätten. Das war zum einen die „Egmont-Ouvertüre“ von Beethoven, zum anderen die 5. Sinfonie von Beethoven. Außerdem stand auf dem Programm das Fagott-Konzert in F-Dur (op. 75) von Carl Maria v. Weber; Solistin war die erst 22-jährige Tabea Brehm. Sie spielte meisterhaft und souverän – ein viel versprechendes Talent, das auf eine große Zukunft hoffen lässt.