1980-1989

Das OrchesteremblemNur wenige Monate nach der 30-Jahr-Feier drohte dem Orchester das Ende: Am 28. April 1981 verstarb völlig unerwartet der Gründer und unermüdliche Leiter Erich Behrendt. Das war für alle Betroffenen ein harter Schlag. Gerade wollte man sich nach den Osterferien in die neue Probenarbeit stürzen, als die Schreckensnachricht die Mitglieder ereilte. Wie sollte es nun weitergehen? Ein Laienorchester, das auch von einem Laien dirigiert wurde, wie sollte es in der Lage sein, den Verlust seines Dirigenten auszugleichen? Man verfügte über keinerlei Mittel, einen Profi anzustellen und zu bezahlen. Ein Weiterbestehen war also wiederum nur mit einem unbezahlten Laiendirigenten möglich. Die Wahl fiel auf einen Mann im Orchester, der einen guten musikalischen Durchblick hatte und zugleich über die entsprechenden Führungsqualitäten verfügte: den seit zehn Jahren als Konzertmeister tätigen Manfred Nonnenmann. Ihm hatte Erich Behrendt schon zu Lebzeiten den Taktstock in die Hand legen wollen in den Augenblicken, wo er gesundheitlich nicht auf der Höhe war.

Dies bot sich als einzig machbare Lösung an, wenn man nicht ganz aufgeben wollte. Und das wollte man nicht. In 30 Jahren hatte man sich zu einem erfreulichen und in der Umgebung einzigartigen Klangkörper zusammengefunden, der erhalten werden musste. Manfred Nonnenmann sprang also in die Bresche.

chronik schwieberdingerhausNonnenmann, der von Beruf Diplomingenieur ist, hatte schon früher in verschiedenen Orchestern, so dem Hochschulorchester Stuttgart und dem Ärzteorchester Hannover, mitgespielt. Nun kniete er sich mit vollem Eifer in die ungewohnte und äußerst schwierige Aufgabe, ein mittlerweile ausgewachsenes Sinfonie-Orchester zu dirigieren. Er ließ sich von Berufsmusikern beraten und nahm Urlaub, um an Dirigierkursen teilnehmen zu können.

Da ein Orchester maßgebend von seinem Dirigenten geprägt wird, begann nun auch für das Streichorchester eine neue Ära. Nonnenmanns Ziel war es vor allem, mit eigenen Leuten zu musizieren und den Anteil von Gelegenheitsspielern und Aushilfen zu reduzieren. Er machte sich daran, auch nach außen hin dem Orchester ein eigenständiges Gepräge und Erscheinungsbild zu geben. Hierfür entwarf Helmut Poeschel, der viele Jahre lang im Orchester Klarinette spielte und als wissenschaftlicher Graphiker immer schon Programme und Eintrittskarten mitgestaltet hatte, für die Anzeigen im Gemeindeblatt einen gefälligen, ins Auge springenden Rahmen, der fortan das Markenzeichen des Orchesters war. Dr. Müller stiftete ein schmiedeeisernes Emblem in Form einer Violine, das als Logo des Orchesters diente.

Durch Nonnenmanns Wechsel ins Dirigentenamt wurde die Stelle des Konzertmeisters vakant, der für ein Orchester ebenfalls von außerordentlicher Wichtigkeit ist. Man fand einen fähigen Mann in Viktor Wille von Wedel Parlow, der vorher im Stadtorchester Ludwigsburg als Konzertmeister tätig gewesen war. Die Jüngsten musizieren auf dem Raichberg unweit der Burg Hohenzollern.Er sagte spontan seine Mithilfe für die schwierige Übergangszeit zu.

Da viel kostbare Probenzeit verloren gegangen war, beschloss man, zum erstenmal ein intensives Probenseminar in anderer Umgebung übers Wochenende abzuhalten. Die Skizunft Schwieberdingen nahm das Orchester mitsamt seinen Angehörigen in ihr schönes Haus in Schwarzenberg auf und ließ es dort an nichts fehlen. So konnte durchweg gute Probenarbeit geleistet werden; zugleich kam aber auch die Geselligkeit nicht zu kurz, und bei herrlichstem Wetter wurde die wunderschöne Umgebung erwandert.

Diese Art der intensiven Probenarbeit wurde von nun an jedes Jahr Ende Oktober, Anfang November, also kurz vor dem Jahreskonzert gepflegt, die ersten beiden Male auf dem Schwieberdinger Haus, danach im Nägele-Haus auf dem Raichberg, unweit der Burg Hohenzollern. Dort verbrachte man die letzten Oktoberwochenenden der Jahre 1982 bis 1985. Als das Haus seinen Pächter wechselte, begab man sich erneut auf die Suche nach geeigneten Räumlichkeiten. Bürgermeister Hermann Butzer und Ingrid NonnenmannNach einem Intermezzo 1986 auf der Burg Wildenstein im oberen Donautal fand man schließlich im folgenden Jahr ein hervorragend geführtes Haus, die Jugendbildungsstätte „Johannes Keppler“ in Weil der Stadt. In den 90er Jahren versiegte das Interesse an diesen mehrtägigen „Freizeiten“, sodass man dazu überging, in den eigenen Übungsräumen ganztägige Orchesterseminare abzuhalten.

Das Jahr 1981 brachte der Gemeinde Schwieberdingen einen weiteren tiefen Einschnitt durch den plötzlichen Tod ihres Bürgermeisters Hermann Butzer am 27. August. 33 Jahre lang hatte er die Geschichte des Ortes entscheidend mitgestaltet. Er war ein guter Freund Erich Behrendts gewesen und hatte sich stets als ein Förderer und treuer Konzertbesucher des Streichorchesters gezeigt. Er hatte auch dem Orchester in seinen damaligen Nöten nach Erich Behrendts Tod seine Unterstützung zugesagt.

Beim ersten Jahreskonzert unter neuer Stabführung hatte die Gemeinde Schwieberdingen noch keinen neuen Bürgermeister, man konnte aber absehen, dass in Gerd Spiegel ein würdiger Nachfolger gefunden würde, was sich am 16. Dezember 1981 bestätigte.Frau Minister Annemarie Griesinger und der neue Bürgermeister Gerd Spiegel im Gespräch mit Manfred Nonnenmann.

Das von allen Beteiligten (sowohl Mitwirkenden als auch Zuhörern) mit großer Spannung erwartete Erstlingskonzert am 21. November 1981 wurde ein voller Erfolg. Man brachte das noch teilweise von Erich Behrendt geplante Programm zu Gehör.

Als große, uneigennützige Hilfe erwies sich Georg Henke, der von Anfang an Manfred Nonnenmann organisatorisch zur Seite stand. Er übernahm das wichtige Amt des Kassiers und waltete vor, während und nach den Konzerten als Einkäufer, Bühnengestalter, Kartenverkäufer, Empfangschef und Mundschenk. Diese Tätigkeiten führt er bis auf den heutigen Tag ohne Murren und mit nie erlahmendem Eifer aus, wobei auch seine Frau Elisabeth stets tüchtig mithilft. Allerdings übertrug er 1987 den immer größer werdenden Arbeitsaufwand im finanziellen Bereich an Rolf Roßberg, der seither mit großem Engagement und äußerster Zuverlässigkeit als Kassenwart tätig ist.

Ursula Roßberg, die seit vielen Jahren als Geigerin im Orchester mitspielt, übernahm das Amt des Notenwartes. Der Notenbestand des Orchesters war erfreulich angewachsen, sollte aber auch in einem guten Zustand und wohlgeordnet erhalten werden.Das mit Spannung erwartete Konzert unter neuer Leitung von Manfred Nonnenmann am 21. November 1981 wurde ein voller Erfolg. Die stetig steigende Spielerzahl erforderte zudem eine strengere Kontrolle bei der Notenverteilung. Dies besorgt Frau Roßberg seither mit großer Genauigkeit.

Eine wertvolle Hilfe ist auch das Ehepaar Wieland, deren Sohn Michael einige Jahre als Geiger und Stimmführer der zweiten Geigen mitspielte. Herr Wieland kümmert sich seit 1985 fachmännisch um die Tonaufnahmen aller Konzerte, wodurch mittlerweile schon eine umfangreiche Sammlung guter Kassetten entstanden ist und im Jahr 1999 sogar eine CD.

Gleich nach dem ersten Konzert unter neuer Stabführung wurde ein sehr schönes Orchesterbuch angelegt, das Frau Burk, die Mutter des ersten Cellisten, mit großer Hingabe künstlerisch ausgestaltet. So entstand ein formvollendetes Verzeichnis aller Konzerte, der gespielten Stücke und ihrer zahlreichen Solisten.Ein Blatt aus dem Orchesterbuch.

Bereits im Juli 1981 beantragte das Streichorchester die Aufnahme in den Bund Deutscher Liebhaberorchester (BDLO), durch die es in erster Linie die Vorteile einer stets guten juristischen, organisatorischen und Finanzfragen betreffenden Beratung erfährt, die andererseits aber auch die Möglichkeit zu Fortbildungskursen und die Benutzung einer gut sortierten Notenbibliothek bietet. Im Juni 1984 war das Orchester eines der zehn Gründungsmitglieder des Landesverbandes Baden-Württemberg, der heute bereits weit über 100 Orchester umfasst!

Auch die Öffentlichkeitsarbeit wurde verstärkt: Als Vorschau auf die Konzerte und als Anregung für die Konzertbesucher begann Herr Nonnenmann die zur Aufführung gelangenden Stücke und ihre Komponisten in einer Kurzbeschreibung im Gemeindeblatt vorzustellen. Auf diese Weise konnte man viele musik- und kulturgeschichtlich interessante Hintergründe erfahren.

chronik konzert nippenburg1982 wurde eine Idee, die auch schon Behrendt längere Zeit mit sich getragen hatte, in die Tat umgesetzt: Es wurde ein zweites Konzert am 16. Juni gegeben, das als Serenadenkonzert im Freien konzipiert war, wegen der schlechten Witterung aber leider in die Festhalle verlegt werden musste. Dieses Serenadenkonzert wurde von nun an jedes Jahr in den Terminkalender eingeplant und ist mittlerweile zur Tradition geworden. 1983 wurde das Serenadenkonzert sogar mit einem echten Feuerwerk, sinnigerweise zu Händels »Feuerwerksmusik«, abgeschlossen.

Ein Höhepunkt unter diesen Serenadenkonzerten stellte das Konzert am 17. Juni 1985 dar, das auf der kurz zuvor mit großem Erfolg restaurierten Burgruine Nippenburg stattfand. Herr Helmut Theurer, der sich sehr um die Wiederherstellung der Ruinen verdient gemacht und sich für die neue kulturelle Nutzung eingesetzt hat, gab die geschichtlichen Erläuterungen. Durch die besonders schön illuminierte Kulisse entstand ein stimmungsvolles Bild, das durch Landsknechte, Ritter und Fackelträger in mittelalterlicher Tracht wirkungsvoll bereichert wurde.

Man kann es als besonderen Glücksfall bezeichnen, dass bereits beim ersten Serenadenkonzert am 16. Juni 1982 die Geschicke des Orchesters mit sicherer und energischer Hand vom ersten Geigenpult aus mitgeleitet wurden: Frau Angelika Wollasch, die in Trossingen Musik studierte und an der Ludwigsburger Jugendmusikschule Violinunterricht erteilte, konnte als Konzertmeisterin gewonnen werden.Dank ihrer guten Ausbildung und ihrer pädagogischen Fähigkeiten wurden die Proben erheblich intensiviert, und vor allem die Streicher profitierten von ihrem guten Vorbild.

Konzertmeisterin Angelika Wollasch

Von Anfang an war es Nonnenmanns Wunsch, durch gezielte Jugendarbeit das Orchester von Aushilfsspielern, die in der Regel bezahlt werden mussten, unabhängig zu machen. Nach wie vor hatte das Orchester unter Streichermangel zu leiden, weshalb sich nun einige versiertere Geigen- und Cellospieler anboten, interessierten Kindern in Schwieberdingen Unterricht zu erteilen, um Nachwuchs heranzubilden. Es waren dies Maria Swacek, Ingrid Nonnenmann, Emil Böß und Roland Burk.

Das Angebot wurde gerne angenommen: Bislang wurde in Schwieberdingen nur Unterricht in Blasinstrumenten erteilt; die Kinder, die ein Streichinstrument erlernen wollten, mussten weite Wege und höhere Kosten auf sich nehmen. Nun wurde auch Kindern, die diese Nachteile nicht auf sich nehmen konnten, die Hinwendung zum Streichinstrument gegeben.

Mit namhaften Spenden der Firmen Robert Bosch GmbH und der Süddeutschen Kühlerfabrik Julius Fr. Behr sowie der Gemeinde Schwieberdingen wurde es möglich, orchestereigene Schülergeigen für den Anfangsunterricht zu kaufen, die man den Kindern leihweise zur Verfügung stellen konnte.

1984 fanden sich die ersten Schüler in einem Spielkreis unterder Leitung von Ingrid Nonnenmann zusammen, um das im Unterricht Erlernte auch im Zusammenspiel zu erproben. Bald darauf konnten die ersten Nachwuchsmusiker dem Orchester zugeführt werden. Insgesamt wuchs das Interesse unter den jungen Musikern am Ort und in der näheren Umgebung, in einem großen sinfonischen Klangkörper mitzuwirken.

Dass man jungen qualifizierten Musikern eine Chance geben wollte, zeigte sich auch in der Auswahl der Konzerte. Angehende Musikstudenten, aber auch begabte junge Laienmusiker bekamen die Gelegenheit, mit voller Orchesterbesetzung vor Publikum solistisch aufzutreten. Den Beginn machte Lokalmatador Frank Lehmann mit dem Fagottkonzert von Weber, es folgten ein Flötenkonzert von Schwindl mit Ulrike Heller, Oboen-Variationen von Nepomuk Hummel mit Christine Renz, das Klavierkonzert Nr. 1 von Ludwig van Beethoven mit Marianne Krämer, das 3. Hornkonzert von W. A. Mozart mit Rainer Nonnenmann, ein äußerst interessantes Gitarrenkonzert von Rodrigo mit Markus Mai und das Trompetenkonzert von Joseph Haydn mit Dirk Haufler, um nur eine kleine Auswahl zu nennen.

Angelika Wollasch und Prof. Reiner Ginzel als Solisten beim Konzert 1987.Eine Ausnahme bildete das Cello-Konzert in D-Dur von Joseph Haydn, bei dem erstmals ein Profi mit dem Schwieberdinger Orchester musizierte: Reiner Ginzel, damals Solo-Cellist beim Südwestfunk Baden-Baden und Mitglied des Deutschen Streichtrios, seit 1986 Professor an der Musikhochschule München. Der Auftritt mit ihm war für das Orchester außerordentlich anregend und bereichernd und ein unvergessliches Erlebnis.

Erstmalig wurden im November 1984 hintereinander drei Konzerte gegeben: in Münchingen, Schwieberdingen und Hemmingen, wodurch das redlich Erarbeitete einer größeren Zuhörerschaft nahegebracht werden konnte. Dafür setzten sich in den darauffolgenden Jahren die Bürgermeister der Nachbargemeinden Hemmingen (Bürgermeister Nafz), Möglingen (Bürgermeister Waibel) und Korntal-Münchingen (Bürgermeister Seiler) in dankenswerter Weise ein, so dass fortan in jedem Jahr in einer oder mehreren dieser Gemeinden zusätzliche Konzerte gegeben werden konnten.

Namensänderung des Orchesters 1985.Dadurch bekam das Orchester zusehends einen überregionalen Charakter, der sich besonders auch am Einzugsgebiet seiner Mitglieder zeigte, die von Markgröningen, Möglingen, Hemmingen, Tamm, Korntal, Münchingen, Ditzingen, Ludwigsburg, Gerlingen, Leonberg, Bietigheim, Besigheim, Kornwestheim, Zuffenhausen und Stuttgart zu der Schwieberdinger Stammtruppe stießen. Dieser Umstand sollte mit einem neuen Namen für das Orchester manifestiert werden. Der Name „Streichorchester Schwieberdingen“ hatte schon lange keine Gültigkeit mehr und führte eher zu Missverständnissen, weil man nicht annehmen konnte, dass sich hinter diesem Namen ein vollwertiges Sinfonieorchester verbarg. So stellte sich das Orchester beim Jahreskonzert am 23. November 1985, bei dem auch das 35-jährige Bestehen gefeiert werden konnte, unter seinem neuen Namen „Strohgäu-Sinfonieorchester-Schwieberdingen“ der Öffentlichkeit vor. Den Schriftzug für den neuen Namen entwarf wiederum Helmut Poeschel.Rudolf Wesner als Sprecher bei »Peter und der Wolf« von Prokofjew

Anlässlich dieses doppelten Geburtstages gönnte sich das Orchester zwei schöne neue Pauken, zu deren Anschaffung die Gemeinde Schwieberdingen einen erheblichen Beitrag leistete. Die Gemeinde half auch zu einer Aufbesserung der allgemeinen finanziellen Misere, indem sie sich zu einer geregelten jährlichen Förderung bereit erklärte. Dadurch erhielt das Orchester im Jahr 1986 zum erstenmal die Gelegenheit, zu seinen seit 1981 regelmäßig stattfindenden Intensiv-Seminaren professionelle Helfer hinzuzuziehen. Dies war in erster Linie Herr Prof. Willy Schnell, Solo-Oboist am Staatstheater Stuttgart und Professor an der Musikhochschule Stuttgart. Als Kapazität auf seinem Instrument und zugleich hervorragender Pädagoge verstand er es, die Bläser in ganz besonderer Weise zu fördern. Dies war umso dringlicher notwendig, da auf dem Programm des nächsten Konzertes „Peter und der Wolf“ von Prokofjew stand, in dem die Bläser als Darsteller von Wolf, Vogel, Ente, Katze und Großvater besonders gefordert sind.

Eine weitere außerordentlich wichtige Rolle in diesem Stück war jedoch noch zu besetzen, für die es bislang im Orchester keinen Vertreter gab: der Sprecher. Nach einigen Umfragen fand sich Erich Tomschik aus Markgröningen, der durch seine Ansagen beim Schäferlauf als guter Sprecher bekannt ist, zu dieser Rolle bereit. Sein Tod am 1. September 1986 kam völlig überraschend und war ein harter Schlag.

Das Strohgäu-Sinfonieorchester 1988.In dieser Situation kam Hilfe aus einer ganz anderen Richtung: Rudolf Wesner, freier Journalist und wiederholt kritischer Zuhörer und Rezensent der Konzerte des Strohgäu-Sinfonieorchesters, erbot sich, die Rolle des Sprechers zu übernehmen. Als guter Kenner der Materie, der auch schon schauspielerisch aufgetreten war, machte er am 21. und 22. November 1986 bei den beiden Konzerten in Hemmingen und Schwieberdingen eine gute Figur.

Das Jahr 1986 brachte dem Orchester noch eine weitere, völlig neue Aufgabe: Es wurde gebeten, das 90-jährige Jubiläum der Chorvereinigung Feuerbach mitzugestalten. Das Orchester nahm die Herausforderung, mit einem Chor zusammen zu musizieren, gerne an. Das Konzert am 8. November wurde für alle Beteiligten ein schöner Erfolg. Die positive Resonanz des Orchesters zog weitere Anfragen nach sich. Am 14.11.1987 nahm man am 125-jährigen Jubiläumskonzert der Chorvereinigung Bietigheim im Kronenzentrum teil, am 7. Oktober 1988 beim Festbankett zum 100-jährigen Bestehen der Volksbank Markgröningen und am 29. April 1989 an der 150-Jahrfeier des Liederkranzes Schwaigern. Am 16. Mai 1987 durfte das Strohgäu-Sinfonieorchester die Schwieberdinger Tage mit einem festlichen Konzert in der Festhalle eröffnen.Ausschnitt aus der handschriftlichen Partitur »Die Ruinen der Nippenburg« von Reiner Ginzel.

Das Jahr 1987 brachte auch für die Jugendarbeit eine erfreuliche Besserung: Der Schwieberdinger Gemeinderat und besonders auch Bürgermeister Spiegel setzten sich dafür ein, dass Frau Wollasch in einer Außenstelle der Jugendmusikschule Ludwigsburg erstmalig ab Oktober Geigenunterricht in Schwieberdingen erteilen konnte. Dies war ein erster Ansatz für die allseits gewünschte ortseigene Musikschule. Sie wurde schließlich nach Koordination der individuellen Interessen der beteiligten Vereine am 2. Oktober 1989 aus der Taufe gehoben. Das Strohgäu-Sinfonieorchester Schwieberdingen ist Gründungsmitglied des Fördervereins Musikschule Schwieberdingen. Dr. Nonnenmann wurde Vorsitzender des Kulturrates, der von den Vorständen der örtlichen musiktreibenden Vereine und dem Bürgermeister der Gemeinde Schwieberdingen gebildet wird.

konzert nippenburg2

Das Jahr 1989 brachte eine Fülle von Ereignissen. Es begann mit dem Chorkonzert in Schwaigern und fand seinen ersten Höhepunkt in der Uraufführung einer eigens für das Strohgäu-Sinfonieorchester komponierten musikalischen Dichtung: „Die Ruinen der Nippenburg“ von Prof. Reiner Ginzel. Der Gedanke zu einem solchen Werk reifte bereits im Winter 87/88 in Nonnenmann, der den Termin eines neuerlichen Konzertes auf der Nippenburg schon kannte. Seine Vorstellung, wie ein solches Werk aussehen könnte, legte er im Februar 1988 Prof. Ginzel dar, der sofort Feuer fing und die Kompositionsaufgabe übernehmen wollte.

Am 28. Mai 1989 konnte das Werk bei herrlichem Wetter auf der Nippenburg der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Es fand großen Anklang bei der äußerst zahlreich erschienenen Zuhörerschaft.

chronik landesgartenschau

Am 11. Juni beteiligte sich das Orchester bei der Landesgartenschau in Bietigheim mit einem musikalischen Beitrag im Pavillon des 

Landkreises. Ein weiterer Höhepunkt des Jahres 1989 war das rundum gelungene Opernkonzert in Möglingen, Schwieberdingen und Hemmingen im November. In Regina Schoch und Undine Holzwarth hatte Nonnenmann zwei ausgezeichnete junge Sopranistinnen gefunden, die ihre Rollen als Hänsel und Gretel aus Humperdincks gleichnamiger Oper und als Agathe und Ännchen aus Webers „Freischütz“ gesanglich und in Gestik und Mimik meisterlich gestalteten.

1987 hatte Manfred Nonnenmann versucht, Kontakte zu ausländischen Orchestern anzuknüpfen, um einen Orchesteraustausch zu arrangieren. In Pamplona in Nordspanien war die Idee einer Partnerschaft spontan aufgenommen worden, so dass Schwieberdingen vom 20. bis 24. September Besuch vom „Joven Orquesta Pablo Sarasate“ erhielt, das mit ca. 30 jugendlichen Musikern, überwiegend Streichern, aus Spanien anreiste. Das Orchester gab zwei hervorragende Konzerte, eins vor Schülern der beiden Gymnasien in Markgröningen und ein zweites in der Festhalle Schwieberdingen.